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1. FALLBEISPIEL


Fallbeispiel zum Thema Epilepsie:

Es ist ein normaler Tag in der Kita.
Nach dem Morgenkreis haben die Elementarkinder der Gruppe Schatzsucher Freispielzeit.
3 Erzieher*innen und 24 Kinder sind anwesend.
Sarah eine der Erziehrinnen bemerkt, dass Leon in der Bauecke plötzlich ganz ruhig wird.
Er wirkt abwesend, fängt an zu schmatzen/sabbern und versteift/verkrampft sich.

Wie gehen die Erzieher*innen mit der Situation um? Was sollten sie zum Thema Epilepsie wissen?


2. EPELEPSIE - DEFINITION UND GESCHICHTE


DEFINITION:

 
 
Epilepsie ist altgrichisch, und heißt Angriff oder Überfall,  in früheren Jahrhunderten, abgeleitet von Fall „Sturz, Fall“, Fallsucht.
 
Bei einer Epilepsie sind das Gehirn oder einzelne Hirnbereiche überaktiv.
So werden zu viele Signale gesendet, was einen epileptischen Anfall auslösen kann.
 
Von Epilepsie spricht man erst, wenn es öfter zu epileptischen Anfällen kommt.
 
Bei einem epileptischen Anfall ist das Zusammenspiel der Nervenzellen im Gehirn zeitweise gestört.
Als Folge krampfen einzelne Muskeln oder der ganze Körper.
Manche Menschen werden auch bewusstlos.
Ein Anfall verursacht keine bleibenden Schäden.
 
 

GESCHICHTE:


Da das Erscheinungsbild bei epileptischen Anfällen spektakulär sein kann,
sind Menschen mit Epilepsie im Lauf der Geschichte sowohl positiv wie negativ stigmatisiert worden.

• So galten betroffene Menschen in manchen antiken Kulturen als Heilige, da ihnen der scheinbare Übergang in Trancezustände so leicht fiel.
• Bei Griechen der Antike galt Epilepsie als „heilige Krankheit“, „als Besessensein von der göttlichen Macht“.
• ca. 129–200 wurde erstmals die Aura beschrieben, als Anzeichen für einen beginnenden Anfall.
• ca. 525–605 wurde das Gehirn als Ursprungsort der Epilepsie angenommen,
   dass Alkohol das Auftreten von epileptischen Anfällen begünstigen kann.
• Im antiken Rom mussten angehende Soldaten bei ihrer Musterung durch ein rotierendes Wagenrad in eine Lichtquelle (zum Beispiel die Sonne) schauen.
   Erlitten sie einen Anfall, wurden sie ausgemustert.
• Das Markusevangelium schildert die spontane Heilung eines Falles von Epilepsie und konstituiert als einzig mögliche Therapie „Gebet und Fasten“.
• Aus dem 11. und 12. Jahrhundert gab es Zauber- oder Segenssprüche  (Contra caducum morbum) gegen epileptische Anfälle.
• Im Mittelalter wurde ein Anfall häufig als „Angriff von oben“, als göttliche Strafe oder „dämonische Besessenheit“ interpretiert
   und konnte für den Betroffenen schwerwiegende Konsequenzen haben, beispielsweise einen Exorzismus.
• Im Fall derAnneliese Michel geschah dies in Deutschland noch 1976.
• Während der Diktatur des Nationalsozialismus in Deutschland galten Menschen,
   die von einer genetischen oder häufig auch nur vermeintlich genetischen Epilepsie betroffen waren, wie viele andere „Behinderte“ als „lebensunwertes Leben“.
• Nach dem Gesetz zur Verhütung  erbkranken NAchwuchses vom 14. Juli 1933 wurden Menschen mit „erblicher Fallsucht“ zwangssterilisiert.
• Viele von ihnen fielen ab 1940 den Krankenmorden der sogenannten Akktion T4 zum Opfer.


3. DIAGNOSE - URSACHEN, SYMPTOME, ANFALLSFORMEN, BEHANDLUNG


 

Für eine Diagnose sind in der Regel drei Schritte nötig.

  1. die Erfassung des Anfallserlebens des Betroffenen, insbesondere ob dem Anfall ein bestimmtes Gefühl bzw. eine bestimmte Wahrnehmung vorausging (Aura),
  2. eine möglichst detaillierte Beschreibung des Anfallablaufes. Dazu sind häufig die Beschreibungen von Beobachtern nötig und,
  3. medizinische Untersuchungen.

Ursachen: Wie entsteht eine Epilepsie?

Jedes Gehirn kann mit einem Anfall reagieren, wenn es intensiv gereizt wird:

• durch hohes Fieber,
• Übermüdung,
• eine Vergiftung,
• eine Entzündung,
• Schädigungen des Gehirns,
• Alkohol kann einen Anfall auslösen,
• Störungen der Hirnreifung während der Schwangerschaft oder Geburtskomplikationen,

Bei erwachsenen und älteren Menschen spielen:

• Durchblutungsstörungen,
• Schlaganfälle,
• Abbauprozesse im Gehirn eine vorrangige Rolle,
• Schädel-Hirn-Traumata,
• Hirntumoren,

Oft bleiben die Ursachen einer Epilepsie jedoch unklar.
Jüngste Forschungen deuten darauf hin, dass eine Epilepsie auch vererbt werden kann.

 

Symptome: Anzeichen einer Epilepsie

Es gibt verschiedenste Anzeichen für eine Epilepsie. Diese können im Laufe der Erkrankung auch wechseln. 

Häufige Anzeichen:

  • Kurze Bewusstseinspausen
  • Plötzliches Zusammenzucken des Körpers bei Säuglingen
  • Gesichtszuckungen und Sprechschwierigkeiten im Kindesalter
  • Augenverdrehungen
  • Bewusstlosigkeit, Versteifen, Zucken der Arme und Beine
  • Fieberkrämpfe
  • Speziell bei Kindern: Teilleistungsstörungen, schwere Störungen des Verhaltens oder der Intelligenz, Sprachverlust

ANFALLSFORMEN-ANFALLSTYP:

Epileptische Anfälle werden nach der Form ihrer Ausbreitung unterteilt in:

Klassifikation nach Anfallsformen
Anfälle haben viele verschiedene Erscheinungsformen, die heutzutage sehr differenziert eingeteilt werden können.
Grob unterscheidet man nach der Ausbreitung der epileptischen Aktivität im Gehirn nach:
• fokale Anfälle,
bei denen die Übererregung auf ein Areal beschränkt bleibt,
• generalisierte Anfälle,
bei denen sich die Anfallszeichen über beide Hemisphären erstrecken, und
• Anfälle mit unbekannter Ausbreitung.

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Fokale Epilepsie (Herd- oder partielle) Anfälle
Eine fokale Epilepsie wird durch fokale Anfälle (fokal = herdförmig, nur einen Teil betreffend) gekennzeichnet.
Diese gehen von einem bestimmten Bereich des Gehirns aus, können sich jedoch von dort auf das gesamte Gehirn ausbreiten.

Komplex-Fokaler Anfall
Dabei können nicht nur Nesteln und Schmatzen,
sondern auch komplexe Handlungsabläufe auftreten,
z. B. packt ein Kind ohne ersichtlichen Grund seine Büchertasche ein oder
schiebt einen Stuhl durch das Klassenzimmer.
Diese Anfälle beginnen und enden langsam
- es dauert einige Zeit, bis das Kind wieder ansprechbar ist.

Einfach-fokaler Anfall:
Eine bestimmte Stelle/Region im Gehirn ist in ihrer Funktion gestört. Das Kind spürt z. B. ein Zucken der Hand,
des Mundes oder (von außen nicht sichtbar)
ein komisches Gefühl oder ein Kribbeln
– je nachdem, welche Region des Gehirns von der epileptischen Aktivität betroffen ist.
Es erlebt den Anfall bei vollem Bewusstsein, kann aber z. B. das Zucken nicht unterdrücken.

Generalisierte Anfälle
Generalisierte Anfälle werden analog den fokalen Anfällen in Anfälle mit und ohne motorische Störungen unterteilt.

Mit motorischen Symptomen:
z. B. Grand mal-Anfall
Diese Anfallsform verläuft in mehreren Phasen, die auch teilweise übersprungen werden können.
Tonisch-klonische Anfälle wurden früher als "Grand mal",
Dies ist der bekannteste und am häufigsten mit Epilepsie assoziierte Anfall.
Dieser besteht aus zwei Phasen.
Es beginnt mit einer plötzlichen Steifheit im Körper, bei der alle Muskeln extrem angespannt werden.


Aura: Manche Kinder verspüren ein (meist unbestimmtes) Vorgefühl von unterschiedlicher Dauer.

Tonische Phase:
Sämtliche Muskeln versteifen sich gleichzeitig.
Das Kind ist bewusstlos.
Da beim Sturz die Abwehrreaktionen fehlen, kann es zu schweren Verletzungen kommen.
Dauer: Sekundenbruchteile bis Sekunden.

Atonische Phase:
Statt der Tonuserhöhung (= Erhöhung der Muskelspannung) kann es auch zum
Tonusverlust kommen,
d. h. das Kind wird schlaff,
bewusstlos,
fällt hin und atmet nicht wahrnehmbar.

Klonische Phase:
Es kommt zu rhythmischen Zuckungen (Kloni) an allen Gliedmaßen.
Auch die Zunge kann beteiligt sein, wodurch Schaum (Speichel) vor den Mund treten kann.
Da die Atemmuskulatur nicht ausreichend einsetzt, kann Blaufärbung von Lippen und Gesicht auftreten.
Dauer: Sekunden bis ca. 3 Minuten.
Der einzelne Anfall hört in der Regel ohne äußeres Zutun von selbst wieder auf.

Myoklonischer Anfall:
Kurze, vereinzelte, plötzlich einschießende Zuckung von Armen,
anderen Körperteilen oder auch vom ganzen Körper.
Bei solch einer abrupt auftretenden Zuckung kann z. B. der Stift im hohen Bogen durch die Klasse fliegen.
Sie können auch mit atonischen, tonischen und klonischen Komponenten kombiniert sein.

Absence-Epilepsien
Generalisiert beginnende Anfälle ohne motorische Störungen,
die typischerweise im Schulalter beginnen, können besonders gut mit Medikamenten behandelt werden.
Früher als als "Petit mal" bezeichnet.
Kurze Bewusstseinspause, bei der das Kind in seiner Handlung verharrt, einen starren Blick bekommt, eventuell nach oben schaut, mit den Augen blinzelt oder mit den Lidern zuckt. Dauer: gewöhnlich nur ein paar Sekunden (= „Hans Guck-in-die-Luft“).
Der Anfall beginnt plötzlich und endet ganz abrupt.
Diese Anfälle können sehr häufig am Tag in Serien auftreten, manchmal hundertmal oder mehr.
Die Kinder haben für die Dauer des Anfalls kein Bewusstsein, können jedoch automatische Dinge weiter ausführen (z. B. Radfahren, Laufen).
Sie fallen dabei nicht hin.

Nicht klassifizierbare epileptische Anfälle:
Anfälle, die wegen unzureichender oder unvollständiger Daten nicht klassifiziert werden können bzw. bei denen eine Zuordnung unmöglich ist.


 

Behandlung

Die Behandlung ist von der Form der Epilepsie und dem Krankheitsverlauf abhängig.
Meist werden Betroffene mit Medikamenten behandelt, sogenannten Antiepileptika.


Selbsthilfe

Bei einem epileptischen Anfall ist es am wichtigsten, dass Helferinnen und Helfer Betroffene vor Verletzungen schützen und ruhig bleiben.
Hält der Anfall länger als 5 Minuten an oder treten mehrere Anfälle in geringem zeitlichem Abstand auf, sollte der Rettungsdienst (Notruf 112) informiert werden.


Medizinische Behandlungen

Manche Menschen haben mit Hilfe von Medikamenten jahrelang keine Anfälle und können sie später absetzen.
Andere benötigen dauerhaft Medikamente.
Bei etwa 3 von 10 Betroffenen kommt es trotz allem regelmäßig zu epileptischen Anfällen.In solchen Fällen kann ein Eingriff erwogen werden.

Dazu zählen:

Operation
Wenn sich herausfinden lässt, dass ein bestimmter Teil des Gehirns die Anfälle auslöst, kann dieser unter Umständen entfernt werden.
Das ist aber nicht immer möglich.

Vagusnerv-Stimulation
Hier wird die Überaktivität der Nervenzellen durch einen Schrittmacher gehemmt.
Er wird im Brustbereich unter der Haut eingesetzt und gibt elektrische Impulse an den sogenannten Vagusnerv ab.

Eine begleitende Psychotherapie kann dabei helfen, mit der Erkrankung zurechtzukommen und die Lebensqualität zu verbessern.

Wichtig zu wissen: Einige ambulante Einrichtungen und Kliniken sind auf die Behandlung von Menschen mit Epilepsie spezialisiert.

 

 


4. WAS IST IN DER KITA ZU TUN ?


Epilepsie bei Kindern

Erste Hilfe bei Anfällen



• Ruhe bewahren
• Patienten vor Verletzungen schützen, z.B. durch Kopf abpolstern
• nicht festhalten
• gefährliche Gegenstände entfernen
• nichts zwischen die Zähne schieben (manche Menschen beißen sich während eines epileptischen Anfalls in die Zunge)
• Sicherheit vermitteln (während eines Anfalls und auch danach können Kinder sehr ängstlich sein)
• Schamgefühl berücksichtigen
• Anfallsdauer messen (die Uhr im Auge behalten, falls der epileptische Anfall ungewöhnlich lang andauert und man einen Notarzt rufen müssen)



 

Nach dem Anfall

• Atemwege kontrollieren
• Stabile Seitenlage: nach einem epileptischen Anfall sehr erschöpft und müssen sich ausruhen
• Eltern informieren


 

Wann muss man einen Arzt rufen?



Viele Kinder mit Epilepsie sind wenige Minuten nach dem Anfall wieder in Ordnung. Sie benötigen keine ärztliche Hilfe.
Ein Notarzt wird gerufen, wenn:
• Der Anfall länger als drei Minuten anhält (muss dann medikamentös behandelt werden!)
• Kurz nach dem ersten Anfall folgt ein zweiter Anfall, ohne dass das Kind dazwischen sein Bewusstsein wiedererlangt hat
• das Kind sich während des Anfalls verletzt hat
• wenn man nicht weiß, ob es sich um einen epileptischen Anfall handelt
• wenn jemand zum ersten Mal einen epileptischen Anfall hat
• wenn das Kind bekannter Epileptiker ist, der aktuelle epileptische Anfall aber ungewöhnlich verläuft


 

Medikamente und Anwendung in Kitas und Schulen

Medikamente werden je nach Absprache mit dem Arzt und den Erziehungsberechtigten verabreicht. Mögliche Medikamente sind:

Diazepam Rectiole (rektal)

2x Bilder


Buccobalm (in die Wangentaschen geben)

2x Bilder


Tavor (in die Wangentaschen legen):

1x Bilder

 

Kinder mit Epilepsie in Schule und Kindergarten:


• Kind “normal“ behandeln, nicht “in Watte packen“
• In der Regel einzig empfohlene Maßnahme: Kein Klettern in der Höhe in den ersten Monaten nach einem Anfall (Gefahr bei Sturz reduzieren)
• Bei “normalen“ Risiken des Alltags keine Maßnahmen
• Vermeidung von Vorurteilen, Selbstbewusstsein stärken, oft im Kindergartenalten/Grundschulalter nicht selbst als “Krankheit “ erlebt, in der Pubertät zusätzliche Belastung
• Selten: Bei Kindern ohne Anfallsfreiheit trotz Behandlung ggf. weitere Absprachen, Rücksprache über Eltern

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andreas FRagen zur PowerPoint Präsentation:
Was ist die Kernbotschaft?
Welche Geschichte haben Wir zu erzählen?
Wie wirkungsvoll ist unser Auftritt?


- Geschichten werden besser verstanden durch Anschaulichkeit:
Hierbei können wir jede unsere eigenen Erfahrungen anhand von beispielen kurz wiedergeben.
(In der Präsentation nennt man es auch gern die emotionale Folie)


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